Veranstaltungen

Diese Erklärung bestimme seitdem, wie die EKD ab dem Jahr 2013 des Novemberpogroms gedenken wolle. Zu Beginn seines Referats wartete Töllner mit einer für die evangelischen Christen Deutschlands fast sensationellen neuen Erklärung ihrer Synode auf, die er unmittelbar aus der Tagung in Magdeburg mitbrachte.

Zur Vorbereitung auf das Jubiläumsjahr 2017 der Reformation habe sie sich mit dem Verhältnis Martin Luthers zu den Juden beschäftigt, um sich von dessen Schmähungen gegen die Juden zu distanzieren. Seine Sicht auf das Judentum sei mit der biblisch bezeugten Treue zum Volk Israel unvereinbar und widerspreche der Absicht Martin Luthers, die Juden zum Religionswechsel zu bewegen oder gar zu zwingen. Dies werde als Geste der Übernahme von Verantwortung gegenüber den jüdischen Geschwistern bestätigt.
Bis zu diesem epochalen Schritt in der Verarbeitung ihres Verhaltens bei der nationalsozialistischen Barbarei an den Juden habe die Evangelische Kirche einen Jahrzehnte dauernden Weg beschritten. Nach dem 9. November 1938 seien nur wenige Bußpredigten evangelischer Pfarrer bekannt geworden, wie die von Helmut Gollwitzer (Berlin) oder Julius von Jan (Oberlenningen/Württemberg) oder die des bayerischen Pfarrers Johannes Zwanzger (Thüngen / Unterfranken). In den Zeitungen habe man damals schon eher vom Triumph des deutsch-christlichen Bischofs Martin Sasse (Thüringen) erfahren, der die Ratschläge Luthers zur "scharfen Barmherzigkeit" gegenüber den Juden umgesetzt sah.
Die vor aller Augen erfolgte Welle der Gewalt habe aber auch im Gedenken der Nachkriegszeit nur eine geringe Bedeutung zur Folge gehabt. Die maßgeblichen Kirchenführer hätten den nationalsozialistischen Staat verantwortlich gemacht, eine eigene Verstrickung in die Verfolgung der Judenheit kaum gesehen. Noch am zehnten Jahrestag sei das Gedenken an den Novemberpogrom für sie kein Thema gewesen.
Nach dem 20. Jahrestag 1958 habe sich aber ein kultureller Umbruch in der BRD vollzogen. In der Folge von Hakenkreuzschmierereien, des Prozesses gegen den Organisator des Holocausts, Eichmann, und der Auschwitz-Prozesse von 1963 bis1965 sei vor allem in der nachgewachsenen Generation die "schuldhafte Vergangenheit unseres Volkes" thematisiert worden. Es seien Projekte wie die "Aktion Sühnezeichen" außerhalb oder die Arbeitsgruppe "Christen und Juden" innerhalb der Kirche entstanden, die den letzten gesamtdeutschen Kirchentag Berlin kurz vor dem Bau der Mauer zu einem Bekenntnis der christlichen Mitschuld an der Schoah bewegt hätten.
1963 sei durch den Ratsvorsitzenden Präses Kurt Scharf vor dem Gelände des KZ Dachau ein Aufruf an alle evangelischen Christen erfolgt, der alle im Blick gehabt hätte, gegen die „Hass gesät“ wurde. Ein Zeichen der Versöhnung und Vergebung sollte der Bau der evangelischen "Sühne-Christi-Kirche" sein. In den 70-er-Jahren, als die jüngere Generation die "Gerechtigkeit" in den Mittelpunkt gestellt und gefordert habe, aus der Erinnerung Folgen für das eigene zukünftige Handeln zu ziehen, das Verhältnis von Christen und Juden neu bestimmt.
Ab dem 40. Jahrestag 1978 habe sich dann der 9. November als "Völkermord-Gedenktag" in der BRD etabliert, mit entsprechenden Verlautbarungen aller möglichen öffentlichen Institutionen und der Kirchen. (emy)

   

Aktuelles  

Holocaust-Gedenktag 2018

Auschwitz hat mir das Leben gerettet
Wie wichtig Zeitzeugen für das Ver-ständnis der deutschen Geschichte sind, zeigte die Holocaust-Gedenkfeier des Freundeskreises Synagoge Hainsfarth in der Stadtbibliothek Nördlingen, wo OB Hermann Faul und Sigi Atzmon Natan Grossmann begrüßten. Sein Schicksal diente als Grundlage für den Dokumentarfilm "Linie 41" und für die Gespräche bei seinem Besuch als Zeitzeuge. Seine Suche nach der Vergangenheit wurde 2015 von Regisseurin Tanja Cummings und dem Kameramann Marek Iwicki dokumentiert.

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Bücherverbrennung 1933

Holt die Bücher aus dem Feuer!

Es waren nicht nur Bücher von jüdi-schen Schriftstellern, die am 10. Mai 1933 von den Nationalsozialisten auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Alle der damaligen Schergen, die Zweifel an den Zielen der Nazis unter Hitler äußerten oder dem vom Rassismus bestimmte Menschenbild widersprachen, wurden verfemt und ihre Bücher verboten. An sie wird alljährlich am Tag der Bücherverbrennung gedacht. In der Synagoge Hainsfarth kamen zwölf betroffene Schriftsteller zu Wort, durch die Lesung von ansässigen Bürgern, eingeleitet durch die "Feuersprüche" der damaligen Schergen.

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Erinnerung für die Zukunft

 

 Erinnerung für die Zukunft

In der Nacht vom 9. November 1938 ließen die Nationalsozialisten ihrem Hass auf die Juden freie Bahn. In dieser „Reichspogromnacht“, die "von oben" gesteuert wurde, wurden die Menschenrechte und die Menschen-würde im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten. Mehr als 1300 Synagogen und Kultureinrichtungen wurden zerstört, Geschäfte und Woh-nungen geplündert und mehr als 25.000 Juden verhaftet, gefoltert und ermordet. Johlende und jubelnde Zeu-gen begleiteten die Vorgänge, andere nahmen sie schweigend und gleichgültig hin. Niemand hat seinen Unmut öffentlich zum Ausdruck gebracht.

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Die Reformation aus jüdischer Sicht

Die Sicht der Juden auf die Reformation

Im Jubiläumsjahr der Reformation wird diese aus verschiedenster Sicht beurteilt. In einem Vortrag in der Synagoge Hainsfarth stellte der evangelische Diplomtheologe Michael  Rummel auf Einladung der Evangelischen Erwachsenenbildung Schriften jüdischer Chronisten vor, um die Sicht der Juden auf die Reformation zu verdeutlichen.

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Frauenrechtlerinnen in den Religionen

Braucht man in den Religionen Frauenrechtlerinnen?

Die Theologinnen, die sich zu einer Podiumsdiskussion in die Synagoge Hainsfarth einladen ließen, waren sich einig, dass in den Religionen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gelten müsse. Dies gebiete auch die Verfassung der Bundesrepublik. Der Diskussion stellten sich die Rabbinerin der Bamberger jüdischen Gemeinde Dr. Antje Yael Deusel, Lehrbeauftragte im Fach Judaistik an der Universität Bamberg, die Imamin Rabeya Müller, Gründungsmitglied des Liberalen Islamischen Bundes e.V. und die evangelische Theologin Prof. Johanna Haberer, Journalistin und Professorin der Universität Erlangen-Nürnberg.

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© Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Hainsfarth Webseite erstelllt von Ernst Mayer