Mekomot

Zwischen den faszinierenden zeitgenössischen Stücken wurden vom Berliner Kantor Assaf Levitin alte jüdische Gesänge aus der jüdischen Musiktradition gesungen.So kehrt Leben in die verwaisten Orte mit ehemaligen Synagogen wie in Hainsfarth zurück, beispielhaft für viele solche Orte im Ries, die Geschichten von Zerstörung, Vertreibung und Tod erlebten. Sie zeugen mit ihren Wunden von dem Ende des einst lebendigen jüdischen Lebens. Mit dieser Musik kehrte es in gewisser Weise zurück, allerdings ohne die Menschen, die dem Holocaust zum Opfer fielen. Es bleibt nur Erinnerung und Rückschau an das, was unverrückbar zur Geschichte dieser Orte gehört.

Die neuen Kompositionen wurden eigens für dieses Projekt und für diese „Orte“ (hebräisch „Mekomot“) von fünf jungen jüdischen, in Deutschland lebenden, Komponisten geschaffen: Amit Gilutz, Bnaya Halperin-Kaddari, Eres Holz, Sarah Nemtsov und Amir Shpilman.
Ihre Stücke wurden mit dem traditionellen jüdischen Nachmittagsgebet „Minchah“ verbunden, in eine Abfolge von verschiedenen traditionell gesungenen Gebetstexten, die in diesem Kontext , wie das „Kaddisch“weit in die biblische Zeit und zugleich in die Zukunft verwiesen mit aktuellen Bezügen wie zu dem in 2015 vieldiskutierten Gespräch zwischen Angela Merkel und einem libanesischen Flüchtlingsmädchen. „Du bist ein unheimlich sympathischer Mensch… es werden manche auch wieder zurückgehen müssen“ – mit eindrucksvoller mimischer Darstellung.
Zeitgenössische Komponisten tragen ihr klingendes Material aus der hörbaren Welt zusammen und integrieren Musikelemente anderer Kulturen, Jazz, Rock und Pop, experimentieren mit vielerlei akustischen Phänomenen, mischen instrumentale und elektronische Klänge, Alltagsgeräusche, Tonsplitter. Alles, was klingt, ist für sie Musik, wird fragmentiert und kombiniert. Ein besonderes Musikerlebnis war es, als auf der E-Gitarre statt Melodien Geräusche erklangen, die Saiten der Harfe mit dem Milchschäumer bearbeitet wurden, als der Schlagzeuger neben dem übliche Instrumentarium mit Steinen befüllten Eimern, Weingläsern und Metallfolien spielte und der Schofar-Spieler mit einem Luftballonmundstück aus seinem Widderhorn schnarrende und der Trompeter pupsende Töne entlockte. Wenn aber die Texte mit der Stimme des Kantors zusammenpassten und die Musik die inhaltlichen Aussagen nachvollziehbar kommentierte, war der Zuhörer verblüfft über die starke emotionale Wirkung. Moderne Instrumente ahmten die in der Bibel genannten nach: chalil (Flöte), die hazozra (Trompete), nevel (Harfe), kinor, die Laute König Davids (E-Gitarre), ugav (Schalmei), taf (Tromrnel) und zelzelim (Becken). Die traditionellen jüdischen Gesänge des Kantors blieben unbegleitet. Lediglich das archaische Schofar (Widderhorn) hat die Zeiten über Jerichos Mauerfall hinaus original überlebt. Ganz zum Schluss wich die Faszination der Zuhörer über das ungewöhnliche Konzert einem langen Beifall. (emy)

   

Aktuelles  

Bücherlesung Taxi am Shabbat

Eine Reise zu den letzten Juden Osteuropas

Die Synagoge Hainsfarth ist der Ort, an dem nicht nur an die toten Opfer der Naziherrschaft erinnert werden soll, sondern auch an die, die die schreckliche Bedrohung überstanden haben. In diesem Sinne reisten nach mehr als 75 Jahren nach Beginn des Holocaust die zwei Journalisten Eva Gruberová und Helmut Zeller an Orte, die vor dem Zweiten Weltkrieg Zentren des osteuropäischen Judentums waren.

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Holocaust-Gedenktag 2018

Auschwitz hat mir das Leben gerettet
Wie wichtig Zeitzeugen für das Ver-ständnis der deutschen Geschichte sind, zeigte die Holocaust-Gedenkfeier des Freundeskreises Synagoge Hainsfarth in der Stadtbibliothek Nördlingen, wo OB Hermann Faul und Sigi Atzmon Natan Grossmann begrüßten. Sein Schicksal diente als Grundlage für den Dokumentarfilm "Linie 41" und für die Gespräche bei seinem Besuch als Zeitzeuge. Seine Suche nach der Vergangenheit wurde 2015 von Regisseurin Tanja Cummings und dem Kameramann Marek Iwicki dokumentiert.

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Gastspiel LöpSingers

Neues Chorsingen
Es sind nicht mehr nur die alten Meis-ter der Chormusik, die Sängerinnen und Sänger in die Chöre locken, son-dern neben Gospels vor allem auch Songs aus den Charts der letzten Jahr-zehnte, zum Beispiel Sting's "Fields of Gold" und Adele's "Rolling little deep", oder Hubert von Goiserns "Weit, weit weg". Das konnte man beim jüngsten Chorkonzert der "LöpSingers" in der ehemaligen Syna-goge Hainsfarth erleben.

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Bücherverbrennung 1933

Holt die Bücher aus dem Feuer!

Es waren nicht nur Bücher von jüdi-schen Schriftstellern, die am 10. Mai 1933 von den Nationalsozialisten auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Alle der damaligen Schergen, die Zweifel an den Zielen der Nazis unter Hitler äußerten oder dem vom Rassismus bestimmte Menschenbild widersprachen, wurden verfemt und ihre Bücher verboten. An sie wird alljährlich am Tag der Bücherverbrennung gedacht. In der Synagoge Hainsfarth kamen zwölf betroffene Schriftsteller zu Wort, durch die Lesung von ansässigen Bürgern, eingeleitet durch die "Feuersprüche" der damaligen Schergen.

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Erinnerung für die Zukunft

 

 Erinnerung für die Zukunft

In der Nacht vom 9. November 1938 ließen die Nationalsozialisten ihrem Hass auf die Juden freie Bahn. In dieser „Reichspogromnacht“, die "von oben" gesteuert wurde, wurden die Menschenrechte und die Menschen-würde im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten. Mehr als 1300 Synagogen und Kultureinrichtungen wurden zerstört, Geschäfte und Woh-nungen geplündert und mehr als 25.000 Juden verhaftet, gefoltert und ermordet. Johlende und jubelnde Zeu-gen begleiteten die Vorgänge, andere nahmen sie schweigend und gleichgültig hin. Niemand hat seinen Unmut öffentlich zum Ausdruck gebracht.

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© Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Hainsfarth Webseite erstelllt von Ernst Mayer