Veranstaltungen 2017

Zwischen diesen beiden Polen des jüdischen Schicksals bewegte sich der Vortrag von Dr. Elisabeth Fuchshuber-Weiß in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth über die Bedeutung des " Davidsterns". Dabei habe er erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts den Aufstieg zum Sinnbild jüdischer Lebens- und Glaubensgemeinschaften und eines jüdischen nationalen Bewusstseins geschafft.

Seit Jahrtausenden habe er seitdem als "Hexagramm", einem Sechseck aus zwei ineinander geschobenen Dreiecken, in seiner "Harmonie von Maß und Zahl" die Phantasie der Menschen beflügelt. Er sei als Zeichen der Magie in vielen Kulturkreisen verbreitet gewesen und, wie auch das Hakenkreuz als "Swastika", bereits auf dem Schmuckfries der Synagoge in Kapernaum neben dem Davidstern zu sehen, und schmücke auch in der islamischen Al-Aqsa-Moschee auf dem Jerusalemer Tempelberg eine Stufe der Kanzeltreppe. Er sei noch lange Zeit kein jüdisches Zeichen gewesen, wie die Menorá (der 12-armige Leuchter). In Franken und in der Oberpfalz hätte er seit dem 14. Jahrhundert bis heute sogar die Brauer zu ihrem Zunftzeichen erwählt, wovon die Gasthäuser "Zum Stern" künden, in deren Wirtshausschildern wie auf manchen alten Bierfässern dieses Zeichen verwendet wurde. Es habe in anderen Kulturen die Bedeutung eines Talismans gehabt, als Schutz und Abwehrzauber in einer vermeintlichen Geisterwelt und spiele als solcher auch die Rolle des Makrokosmos in Goethes' "Faust". Die mittelalterliche Magie habe den Stern mit König David als "Davids Schild" benannt, im Sinne eines magischen Schutzes vor Feinden und Dämonen und seiner legendären Stärke bei seinen heroischen Taten.

Als esoterisches Zeichen habe es weithin als Ornament Verwendung in alten Schriften gefunden und solle erst ab 900 n. Chr. in der jüdischen Gemeinde Prags als heraldisches Emblem auf einer roten Festfahne als Wahrzeichen der Prager Judenstadt den siebenarmigen Leuchter verdrängt haben. Von dort aus habe sich der "Stern des David" als Emblem auf Gemeindesiegeln und Schriften und als äußeres Kennzeichen in den Synagogen Europas verbreitet. Seinen besonderen Stellenwert habe der Stern erst in der Aufklärung erhalten, als das Judentum allmählich in der "Judenemanzipation" als Konfession anerkannt worden sei.
Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Zionisten in Person Theodor Herzls einen jüdischen Staat in Palästina angestrebt hätten, habe bereits 1897 David Wolffsohn die Fahne des künftigen Staates Israel entworfen, der erst 50 Jahre später gegründet wurde. Seitdem weht der Davidstern zwischen den zwei blauen Streifen des Tallits (Gebetsschals) auf der Staatsflagge über den staatlichen Gebäuden. Wenn sich auch die Juden schon in früheren Zeiten einer Markierung zur Diskriminierung ausgesetzt sahen, z. B. mit dem "Judenhut", dem "Gelben Ring" oder besonderen Kleidungsvorschriften, war die rassistische Kennzeichnung durch den gelben "Judenstern" dennoch die tiefste Erniedrigung der jüdischen Menschen. Der gelbe Stern begleitete die Männer, Frauen und Kinder in die Vernichtungslager. Erst nach dem Ende des Massenmordes konnten die überlebenden Juden unter diesem Zeichen entweder in Israel oder in neuen Synagogen wieder ihren Gebeten nachkommen. (emy)

   

Aktuelles  

Holocaust-Gedenktag 2018

Auschwitz hat mir das Leben gerettet
Wie wichtig Zeitzeugen für das Ver-ständnis der deutschen Geschichte sind, zeigte die Holocaust-Gedenkfeier des Freundeskreises Synagoge Hainsfarth in der Stadtbibliothek Nördlingen, wo OB Hermann Faul und Sigi Atzmon Natan Grossmann begrüßten. Sein Schicksal diente als Grundlage für den Dokumentarfilm "Linie 41" und für die Gespräche bei seinem Besuch als Zeitzeuge. Seine Suche nach der Vergangenheit wurde 2015 von Regisseurin Tanja Cummings und dem Kameramann Marek Iwicki dokumentiert.

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Bücherverbrennung 1933

Holt die Bücher aus dem Feuer!

Es waren nicht nur Bücher von jüdi-schen Schriftstellern, die am 10. Mai 1933 von den Nationalsozialisten auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Alle der damaligen Schergen, die Zweifel an den Zielen der Nazis unter Hitler äußerten oder dem vom Rassismus bestimmte Menschenbild widersprachen, wurden verfemt und ihre Bücher verboten. An sie wird alljährlich am Tag der Bücherverbrennung gedacht. In der Synagoge Hainsfarth kamen zwölf betroffene Schriftsteller zu Wort, durch die Lesung von ansässigen Bürgern, eingeleitet durch die "Feuersprüche" der damaligen Schergen.

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Erinnerung für die Zukunft

 

 Erinnerung für die Zukunft

In der Nacht vom 9. November 1938 ließen die Nationalsozialisten ihrem Hass auf die Juden freie Bahn. In dieser „Reichspogromnacht“, die "von oben" gesteuert wurde, wurden die Menschenrechte und die Menschen-würde im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten. Mehr als 1300 Synagogen und Kultureinrichtungen wurden zerstört, Geschäfte und Woh-nungen geplündert und mehr als 25.000 Juden verhaftet, gefoltert und ermordet. Johlende und jubelnde Zeu-gen begleiteten die Vorgänge, andere nahmen sie schweigend und gleichgültig hin. Niemand hat seinen Unmut öffentlich zum Ausdruck gebracht.

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Die Reformation aus jüdischer Sicht

Die Sicht der Juden auf die Reformation

Im Jubiläumsjahr der Reformation wird diese aus verschiedenster Sicht beurteilt. In einem Vortrag in der Synagoge Hainsfarth stellte der evangelische Diplomtheologe Michael  Rummel auf Einladung der Evangelischen Erwachsenenbildung Schriften jüdischer Chronisten vor, um die Sicht der Juden auf die Reformation zu verdeutlichen.

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Frauenrechtlerinnen in den Religionen

Braucht man in den Religionen Frauenrechtlerinnen?

Die Theologinnen, die sich zu einer Podiumsdiskussion in die Synagoge Hainsfarth einladen ließen, waren sich einig, dass in den Religionen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gelten müsse. Dies gebiete auch die Verfassung der Bundesrepublik. Der Diskussion stellten sich die Rabbinerin der Bamberger jüdischen Gemeinde Dr. Antje Yael Deusel, Lehrbeauftragte im Fach Judaistik an der Universität Bamberg, die Imamin Rabeya Müller, Gründungsmitglied des Liberalen Islamischen Bundes e.V. und die evangelische Theologin Prof. Johanna Haberer, Journalistin und Professorin der Universität Erlangen-Nürnberg.

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Kinderoper Brundibar

Durch Zusammenhalten das Böse besiegen
Am letzten Tag des Projekts der Mittelschule Oettingen war die Synagoge der Ort, der den Rahmen für das bewegende Singspiel "Brundibar" bilden durfte. Die Schüler erlebten mit den Darstellern und Sängern des Kinderchors der Bayerischen Staatsoper die Botschaft vom Zusammenhalten in der Bedrängnis, mit einem glücklichen Ende, das aber die einstigen Darsteller und Musiker, samt dem Komponisten Hans Krása, nach den Aufführungen im Konzentrationslager Theresienstadt nicht erleben durften.

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© Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Hainsfarth Webseite erstelllt von Ernst Mayer