Reformation aus jüdischer Sicht

In einer Chronik berichtet Josel von Rosheim (1476–1554), dass Fürst Hans Johann Friedrich von Sachsen unter dem Einfluss des „Priesters Martin“ die Juden vertrieben habe und ihnen verbot, nur einen Fuß in sein Land zu setzen. Es sei beabsichtigt gewesen, das Volk durch scharfe Gesetze und Verfolgungen auszurotten.
In einem anonymen Manuskript von 1530 wird behauptet, dass es Herzöge, Fürsten und andere Mächtige zu Martin Luther hinzöge, dazu  auch viele Gelehrte christlichen Glaubens. Er habe zuerst gesagt, man solle den Juden kein schweres Joch auflegen, mit ihnen ehren- und liebevoll umgehen und sie so der Kirche nahe bringen, denn Jesus stamme aus der Familie Israels. Da man aber über ihn gespottet habe, dass er fast ein Israelit sei, habe es ihn gereut, sodass er seine Worte geändert und Böses über Israel geschrieben habe.
Josef HaKohen, ein jüdischer  Geschichtsschreiber aus Spanien, schrieb in seiner Chronik, dass alles mit dem Bau des Petersdoms in Rom begonnen habe, als der Papst Julian II. seinen Abgesandten die Macht gegeben habe, durch Geld die Seelen vor der Verdammnis zu retten. Martino, ein scharfsinniger und weiser Mann, habe dies in Frage gestellt. Über seine Exkommunikation im Jahre 1518 sei er sehr aufgebracht gewesen und  hätte gegen den Papst und gegen dessen Visionen und Missbräuche gepredigt.
David Gans, ein jüdischer Historiker, schrieb, dass Martin Luther der Lehre des Johannes Huss gefolgt sei. Er habe entgegen den päpstlichen Satzungen verlangt,  die Heiligenbilder zu verbrennen oder wegzuräumen. Man solle weder Maria, die Mutter von Christus, noch die zwölf Apostel anbeten. Die Bischöfe, Mönche und Nonnen sollten eheliche Verbindungen eingehen.
Schnell hätte diese Lehre großen Anklang bei den vorzüglichsten Fürsten und Bürgern Deutschlands gefunden. Durch den Reichstag zu Worms im Jahre 1522  habe dieses neue Glaubensbekenntnis öffentliche Verbreitung gefunden mit der Folge großer und gewaltiger Kämpfe in den Ländern Europas, bei denen zahllose Christen ihren Tod gefunden hätten.
Eine anonyme Prager Chronik berichtete, dass ein Priester namens Martinus Luther mit der Verhöhnung der katholischen Religion und ihrer Bräuche Unruhe verursacht habe.  Die Bauern seien gegen die Priester aufgestanden. Diese wären voller Furcht, andere unter ihnen würden mit Luther sympathisieren und die Dogmen verachten.
In all diesen Schriften, die Michael Rummel vorstellte, werde die Sicht der Juden deutlich. Es bestehe Übereinstimmung darüber, dass Luther ein Priester sei, ein Gegenspieler des Papstes, und dass er einen großen politischen Einfluss gehabt habe. Die Bedeutung Luthers für die Juden aber werde unterschiedlich beurteilt, eine negative Einstellung der deutschen Juden bestünde wegen Luthers Judenhass, im Ausland dagegen erschien die lutherische Theologie durchaus positiv. Im Allgemeinen spüre man aber eine gewisse Befriedigung darüber, dass die Christen über ihren Auseinandersetzungen die Juden eher in Ruhe gelassen hätten. Die Folgen des Judenhasses hätten erst später die verheerenden Wirkungen ergeben.
 (emy)

   

Aktuelles  

Holocaust-Gedenktag 2018

Auschwitz hat mir das Leben gerettet
Wie wichtig Zeitzeugen für das Ver-ständnis der deutschen Geschichte sind, zeigte die Holocaust-Gedenkfeier des Freundeskreises Synagoge Hainsfarth in der Stadtbibliothek Nördlingen, wo OB Hermann Faul und Sigi Atzmon Natan Grossmann begrüßten. Sein Schicksal diente als Grundlage für den Dokumentarfilm "Linie 41" und für die Gespräche bei seinem Besuch als Zeitzeuge. Seine Suche nach der Vergangenheit wurde 2015 von Regisseurin Tanja Cummings und dem Kameramann Marek Iwicki dokumentiert.

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Bücherverbrennung 1933

Holt die Bücher aus dem Feuer!

Es waren nicht nur Bücher von jüdi-schen Schriftstellern, die am 10. Mai 1933 von den Nationalsozialisten auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Alle der damaligen Schergen, die Zweifel an den Zielen der Nazis unter Hitler äußerten oder dem vom Rassismus bestimmte Menschenbild widersprachen, wurden verfemt und ihre Bücher verboten. An sie wird alljährlich am Tag der Bücherverbrennung gedacht. In der Synagoge Hainsfarth kamen zwölf betroffene Schriftsteller zu Wort, durch die Lesung von ansässigen Bürgern, eingeleitet durch die "Feuersprüche" der damaligen Schergen.

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Erinnerung für die Zukunft

 

 Erinnerung für die Zukunft

In der Nacht vom 9. November 1938 ließen die Nationalsozialisten ihrem Hass auf die Juden freie Bahn. In dieser „Reichspogromnacht“, die "von oben" gesteuert wurde, wurden die Menschenrechte und die Menschen-würde im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten. Mehr als 1300 Synagogen und Kultureinrichtungen wurden zerstört, Geschäfte und Woh-nungen geplündert und mehr als 25.000 Juden verhaftet, gefoltert und ermordet. Johlende und jubelnde Zeu-gen begleiteten die Vorgänge, andere nahmen sie schweigend und gleichgültig hin. Niemand hat seinen Unmut öffentlich zum Ausdruck gebracht.

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Die Reformation aus jüdischer Sicht

Die Sicht der Juden auf die Reformation

Im Jubiläumsjahr der Reformation wird diese aus verschiedenster Sicht beurteilt. In einem Vortrag in der Synagoge Hainsfarth stellte der evangelische Diplomtheologe Michael  Rummel auf Einladung der Evangelischen Erwachsenenbildung Schriften jüdischer Chronisten vor, um die Sicht der Juden auf die Reformation zu verdeutlichen.

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Frauenrechtlerinnen in den Religionen

Braucht man in den Religionen Frauenrechtlerinnen?

Die Theologinnen, die sich zu einer Podiumsdiskussion in die Synagoge Hainsfarth einladen ließen, waren sich einig, dass in den Religionen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gelten müsse. Dies gebiete auch die Verfassung der Bundesrepublik. Der Diskussion stellten sich die Rabbinerin der Bamberger jüdischen Gemeinde Dr. Antje Yael Deusel, Lehrbeauftragte im Fach Judaistik an der Universität Bamberg, die Imamin Rabeya Müller, Gründungsmitglied des Liberalen Islamischen Bundes e.V. und die evangelische Theologin Prof. Johanna Haberer, Journalistin und Professorin der Universität Erlangen-Nürnberg.

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© Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Hainsfarth Webseite erstelllt von Ernst Mayer